Baby

Stillen ist Liebe und Liebe tut manchmal auch weh

Stillen. Für mich war schon bei der Schwangerschaft mit Elsa ziemlich klar, dass ich stillen möchte. Nicht nur, dass es unumstritten das Beste fürs Kind ist, ich finde es auch mega praktisch. Man hat Babys Milch immer dabei, trinkfertig temperiert und das auch noch in der richtigen Menge.  Wunderbar. (Hier möchte ich nochmal ganz klar betonen, dass es die Entscheidung jeder Frau ist, ob sie stillen möchte oder nicht und ich mir kein Urteil über irgendwen erlaube, der aus welchen Gründen auch immer nicht stillt. Leben und leben lassen.) Auf jeden Fall kam der Tag der Tage, Elsas Geburt. Der Tag, an dem ich zur Stillmama wurde. Ich muss dazu sagen, ich habe mich vorher nicht sonderlich viel mit dem Thema beschäftigt, vielleicht ist das bei manchen Themen auch  gar nicht so verkehrt. Mir war klar, ich mach das halt. Und so hab ich’s halt einfach gemacht^^.

So kam die erste Nacht im Krankenhaus, in der ich komplett durchgestillt habe, rechte Brust, linke Brust, und wieder von vorne. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schmerzhaft so was ist, echt jetzt. Einige Tränen sind da geflossen. Komischerweise hatte ich aber dennoch nie den Gedanken abzustillen. Dann der 3. Tag, Milcheinschuss. Endlich, danket dem Herrn. Von diesem Moment war das Cluster Feeding dann auch beendet und meine Brustwarzen konnten sich erholen. Ab da war das Stillen von Elsa echt schön, wirklich. Nun gut, des öfteren hätte ich mir auch gerne mal eine Auszeit gewünscht und wollte einfach mal sagen: Hey Papa, ich bin dann mal einen Tag weg, viel Spaß mit dem Baby^^. Aber ich glaube, das kennt jede Mama. Elsa hat leider nie die Flasche genommen, hatten es öfter mal mit abgepumpter Muttermilch probiert und allen Saugern, die es auf der Welt gibt. Nööö, keine Chance. Elsa wusste eben, was gut war.

Dann kam Niklas. Auch hier war mir natürlich klar, dass ich stillen will. Ich hatte eine absolute Traumgeburt mit wenig bis gar keinen Schmerzen. Hätte ich mir nie vorstellen können, aber gibt es tatsächlich. Dann die erste Nacht, Cluster Feeding vom Feinsten, wie bei Elsa damals. Nur gefühlt noch schlimmer, noch schmerzhafter. Was hatte der für einen Zug drauf. Männer^^. Ich sagte noch so schön zu meiner Hebamme: „Das Stillen tut verdammt nochmal mehr weh als die Geburt. Was soll der Scheiß.“ Ich war wirklich kurz davor zu sagen, nee jetzt, nicht mit mir. Aber ich weiß, ich hätte mir bis an mein Lebensende Vorwürfe gemacht. Also hab ich’s durchgezogen. Okay, ich muss gestehen, ich habe in der allerersten Nacht zugefüttert, 20 ml. Nachdem Niklas gefühlte 200ml Fruchtwasser ausgespuckt hat, hatte der arme Kerl anscheinend echt Hunger. Nach dem Zufüttern mithilfe eines kleinen Schlauches (damit wollte ich eine Saugverwirrung vermeiden), war er glücklich, nach 6 Stunden Dauerfolter. Ist direkt eingeschlafen wie ein Stein. Meine Brüste müssen da bestimmt ein leises Halleluja gesungen haben. Und am nächsten Tag bekam ich dann auch schon den Milcheinschuss des Todes. Pamela Anderson hätte gestaunt und wäre wohl vor Neid erblasst. Was sich so toll anhört ist, aber leider nicht soooo berauschend. Die Brüste sind dann schwer, heiß und voller Milch. Das legt sich aber nach 2-3 Tagen wieder und pendelt sich ein. Das Stillen klappte die ersten 12 Wochen echt super. Niklas war aber im Vergleich zu Elsa kein Beruhigungsstiller, Elsa bekam die Brust eigentlich immer zum Trösten und nahm diese auch dankend an. Pah, Niklas nicht, wenn da ein Tropfen Milch raus kommt und der feine Herr aber doch keinen Hunger hat und nur Nuckeln will, ist das Geschrei größer als vorher. Der Schnuller ist sein bester Freund, naja umso besser für mich. Auch das Abpumpen habe ich probiert, um Niklas auch mal an die Flasche zu gewöhnen, falls ich für ein Shooting 1-2 Stunden weg bin, klappt alles reibungslos. Ich glaube, der wäre auch ein gutes Flaschenkind geworden.

 

(Was mir total am Herzen liegt, wäre noch eine Sache über das Stillen. Sooo oft höre ich, dass viele abstillen oder zufüttern, weil sie denken, das Kind bekommt zu wenig Milch und wird nicht satt. Etwa, weil es nach der Mahlzeit weint, allgemein weinerlich ist oder alle halbe Stunde an die Brust will. Dies sind keine Anzeichen von zu wenig Milch oder Hunger. Aufpassen sollte man bei zu wenigen nassen Windeln (normal sind 6 Stück oder mehr am Tag)  oder stockender/unzureichender Gewichtszunahme. Alles andere sind KEINE Gründe fürs Abstillen. Wenn ihr wollt, kann ich da in einem anderen Post nochmal genauer drauf eingehen.)

 

Weiter gehts. Dann kam Tag X. Tag X ist der Beginn der Brustschreiphase. Wie oben beschrieben, gibt es einfach Phasen, in denen man denkt, irgendwas stimmt da nicht, irgendwas läuft da falsch, sonst würde das Baby nicht das oder das machen.

Niklas hat einfach plötzlich angefangen, die Brust anzuschreien, nee nicht einfach nur weinen, sondern richtiges schreien. Irgendwann artete es sogar in eine richtige Orgie aus, nix half mehr. Kein tragen, kein singen, kein wiegen. Da fiel mir ein, dass ich noch eine Flasche mit Muttermilch im Kühlschrank hatte. Die letzte Mahlzeit war so lange her, er musste Hunger haben. Und so war es auch, ratzfatz waren 100ml leer. Das tat irgendwie weh, wie ein Schlag ins Gesicht. Keine richtigen physischen Schmerzen, aber seelische, ich war wirklich traurig. Will man doch immer nur das Beste und dann nimmt dieses Kind einfach lieber die Flasche. Lieber diese doofe Flasche als mich.

Nun gut, ein kurzer Blick in meine Schub-App öffnete mir ein bisschen die Augen. Der sagenumwobene 19-Wochen-Schub, der schon in der 14. Woche beginnt und in der 20. Woche endet. Der Schub, in dem die Kinder einfach verwirrt sind, sich das Leben für sie um 180 Grad wendet. Schub hin oder her, Hauptsache ist, man kann sich mit einer Erklärung trösten. Ob es jetzt wirklich daran lag, war mir in dem Moment egal. Für mich war der doofe Schub schuld. Basta.

Haja… Der Schub endete und das ständige Nörgeln an der Brust, das Gezappel, das An- und Abdocken im Sekundentakt blieben. Zuerst dauert es ihm zu lange, bis der Milchspenderreflex auslöst, dann löst er aus und die doofe Milch kommt zu schnell, zu viel, zu heftig. Gemaule. Nix recht zu machen. Männer mal wieder… Leider geht das bis heute (4,5 Monate) immer noch so. Die einzige Zeit, in der wir toll zusammen stillen, ist nachts. Da trinkt er in Allerseelenruhe, am Stück, still und glücklich. Ich denke die Welt ist für ihn einfach zu spannend geworden. Er sieht mehr, kann mehr, möchte mehr…

 

Nun was ist bis hierhin die Moral von der Geschichte? Stillen ist Liebe und Liebe tut manchmal auch weh. Ich hoffe aber sehr, dass es sich noch bessert. Ich meine, jetzt ziehe ich es bis zum Schluss durch, wo wir es so weit „geschafft“ haben, aber so ein Stillkind in der Öffentlichkeit zu stillen, verdirbt einem ein bisschen den Spaß daran, muss ich ehrlich zugeben^^. Daheim schaut mir wenigstens keiner dabei zu, wie ich akrobatisch im Liegen ein zappelndes gestilltes Kind bändige. Hihi.

 

Welche Stillgeschichten habt ihr zu erzählen?


			
				
				
							
						
	

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4 Comments

  • Reply
    Jasmin
    1. Oktober 2017 at 00:24

    Das ist ja unglaublich, das klingt ja echt so ähnlich wie bei uns – und ich dachte, ich hab ein besonders komisches Kind haha. Die ersten Wochen waren noch toll mit dem stillen und dann etwa als er 5/6 Wochen alt fing das auch so ähnlich an wie bei euch. Nachts? Wunderbar und kein Problem. Tagsüber? Selten mal gut, oft die reinste Katastrophe. Rumschreien, weinen, ansaugen und dann loslassen… Stillen in der Öffentlichkeit eigentlich unmöglich… das zog sich, bis vor kurzem, so hin, wenige kurze Phasen waren besser, die meisten eher schlechter. Aber jetzt klappt es auf einmal viel, viel besser und das Stillen ist, etwa seit dem er 6 monate alt Ist, wirklich schön geworden!! Am 12.10. Ist mein Sohn 8 Monate auf der Welt. Allerdings wollte er nie einen Schnuller oder die Flasche. Auch Brei oder anderes Essen will er bis jetzt nicht und ich stille ihn immer noch voll. Aber jetzt ist es eben schön und macht Spaß!
    Also – nicht die Hoffnung aufgeben! ?
    Liebe Grüße & schöner Blog ist es geworden!

  • Reply
    Natascha
    1. Oktober 2017 at 20:24

    Mir geht es mit unserem Sohn ganz genauso. Die ersten Wochen waren ziemlich unproblematisch, irgendwann mit 13/14 Wochen konnte ich es ihm nicht mehr recht machen. Mal kam die Milch nicht schnell genug, mal kam zu viel und er würgte, schob sich von der Brust weg und zog die Brustwarze in die Länge. Das Stillen war nur noch Hektik und ich war angespannt. Nachts hingegen war alles wunderbar.
    Für uns habe ich (irgendwann im 4. Monat) herausgefunden, dass ich ihn häufig angelegt habe, wenn ich der Meinung war dass er doch schon Hunger haben müsste, es tatsächlich wohl aber nicht der Fall war. Einen Tag habe ich mir vorgenommen, nur anzulegen wenn ich mir 100% sicher war, dass er trinken möchte. Womöglich bin ich noch ein wenig in der Neugeborenen-Zeit stecken geblieben, da war ausschließlich Clusterfeeding angesagt. Siehe da: Heraus kamen 4 stündige Stillabstände und das Kind hat sichtlich entspannter und konzentrierter getrunken. Jetzt Ist er 5 Monate alt und es ist langsam auch tagsüber Entspannung in Sicht, er möchte nun aber auch wieder häufiger an die Brust. Ich denke aber auch, dass es viel mit der Entwicklung zu tun hat, das Drumherum einfach spannender ist und das Stillen des Hungers nicht mehr das Elementare.
    Schöner Blog, Julia!

  • Reply
    Astrid
    15. November 2017 at 12:53

    Bei uns hat sich das Brust anschreien und ständige an/abdocken gelöst, als ich Helena einfach mal abgehalten hab. Ich hatte viel über „windelfrei“ auf windelwissen.de gelesen und war hin und hergerissen, es zu probieren oder für totalen sch*** zu halten. Aber als sie meiner Meinung nach wieder Hunger hatte und aber wieder mega Theater gemacht hat (ca 4 Monate alt), hab ich es einfach getestet und dann fing es an zu plätschern, sie entspannte sich und danach trank sie seelenruhig als wäre nie was gewesen…das war ein richtiger Aha-Moment. Ich hab das vorher für totalen Quatsch gehalten. Wir ziehen das nicht 100% durch, eher Teilzei, aber es ist bis heute geblieben.

    • Reply
      Julia
      15. November 2017 at 14:17

      Oh wow. Das ist ja eine super Idee. Ganz ehrlich, darauf bin ich selbst tatsächlich nicht gekommen. Ich habe mich bisher auch nicht mit windelfrei beschäftigt. Super! Vielen lieben Dank dafür <3

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